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Ausharren in der Wüste
"Elija in der Wüste“
Die Gegensätze im
Bild sind groß: die Wüste, nur durch spärliche Aufhellung bekommen
die kahlen Stufen und Treppen etwas Leben. Und in dieser Situation
von Flucht und Gefahr trägt der Prophet seinen kostbaren Mantel mit
Fell und Pelz sowie mit einem weit über den Rücken fallenden Kragen.
Der Mantel bedeutet prophetische Sendung - bei der Himmelfahrt des
Propheten wird Elischa ihn für sich und alle Nachkommen erbitten.
Die Ikone stellt also dar, was heute noch gilt und geschieht. Der in
ewigem Rot bzw. Gold strahlende Hintergrund betont die Zeitlosigkeit
dessen, was da geschieht. Die Beschriftung in der Volkssprache, bei
Ikonen keineswegs ungewohnt, deutet die Wüstensituation des
Geschehens. In der Wüste
geschieht ein kleines Wunder. Sträucher und Gräser beginnen zu
blühen, vom Sturm zerzaust. Fast idyllisch wirkt die Szene, sie soll
Mut und Hoffnung machen. Wer ausharrt in der Wüste, erfährt Gottes
Schutz und Hilfe. So war es damals, so ist es heute.
2 Meditationen - Vorlagen |
Eine zerklüftete
Felslandschaft türmt sich zu zwei Gipfeln auf, weist stufenförmig
weit über den oberen Bildrand in den Himmel hinein. Wüste - Gegend
und Erlebnis, Zeit der Gefahr und Bewährung. Selbst der Bach Kerit
ist am Vertrocknen. In der Schlucht liegt die große Höhle, deren
schwarzer Zugang Gefahren androht und zugleich bergenden Schutz
verspricht. Hier wird nun das Ereignis aus 1 Könige 17,2-7
dargestellt, Flucht und Zuflucht und Ausharren in der Wüste. Nicht
nur ein beliebtes Motiv der Ikonographie - jedes Kind kann solche
Geschichten deuten, richtig deuten!
Die Höhle bedeutet auf den Ikonen bodenlose Gefahr, die Niederung
des menschlichen Lebens, Schuld und Tod - ein archetypisches Bild
aus der Traumwelt. Auf der Weihnachtsikone geschieht Menschwerdung
Gottes in der Höhle - dort, wo die Welt und das Leben am dunkelsten
ist. In der Kreuzigungsikone wächst das Kreuz aus der Höhle mit dem
Totenkopf Adams, der durch die Sünde das Leid in die Welt gebracht
hat. Auf der Osterikone bedeutet die Höhle (bzw. „Hölle“) das
„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, den Sieg Christi über Sünde
und Tod; er zerschmettert die Pforten der Unterwelt, Türangeln und
Balken fliegen durch die Luft, Christus öffnet mit Kraft das Tor zum
Leben (vgl. Tagesgebet am Ostersonntag). Auf der Pfingstikone ist es
der unerlöste Kosmos, der im Dunkeln auf Geist und Leben wartet.
Auf unserer Elija-Ikone bedeutet die Höhle Verfolgung und Gefahr, aber auch Verzweiflung, Überdruss, „Ich mag und ich kann nicht mehr“. Und doch bietet gerade diese Höhle auch Zuflucht und Schutz, deshalb nimmt Elija so lässig und entspannt den Platz vor der Höhle ein. Er hat sich auf den Wüstenboden gesetzt, die linke Hand fällt elegant und locker über das Knie, die andere liegt kraftvoll an seiner bärtigen Wange. Haltung und Gesicht des Propheten strahlen Ruhe, Kraft und Würde aus - aber auch Energie und Protest. Mürrisch blickt er hinauf zu den Bergen, von denen ein Rabe ihm Brot bringt, goldene Hoffnung für die Zukunft. Ausharren in der Wüste, Geduld, Hoffnung und Gottvertrauen!
Br. Bernhard Frei |