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Ausharren in der Wüste

"Elija in der Wüste“ - Ikone aus Griechenland, um 1600

    

  

Die Gegensätze im Bild sind groß: die Wüste, nur durch spärliche Aufhellung bekommen die kahlen Stufen und Treppen etwas Leben. Und in dieser Situation von Flucht und Gefahr trägt der Prophet seinen kostbaren Mantel mit Fell und Pelz sowie mit einem weit über den Rücken fallenden Kragen. Der Mantel bedeutet prophetische Sendung - bei der Himmelfahrt des Propheten wird Elischa ihn für sich und alle Nachkommen erbitten. Die Ikone stellt also dar, was heute noch gilt und geschieht. Der in ewigem Rot bzw. Gold strahlende Hintergrund betont die Zeitlosigkeit dessen, was da geschieht. Die Beschriftung in der Volkssprache, bei Ikonen keineswegs ungewohnt, deutet die Wüstensituation des Geschehens. 

In der Wüste geschieht ein kleines Wunder. Sträucher und Gräser beginnen zu blühen, vom Sturm zerzaust. Fast idyllisch wirkt die Szene, sie soll Mut und Hoffnung machen. Wer ausharrt in der Wüste, erfährt Gottes Schutz und Hilfe. So war es damals, so ist es heute.                                                                                    

                            

       Ikone - Elija in der Wüste ("Ausharren!")
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Eine zerklüftete Felslandschaft türmt sich zu zwei Gipfeln auf, weist stufenförmig weit über den oberen Bildrand in den Himmel hinein. Wüste - Gegend und Erlebnis, Zeit der Gefahr und Bewährung. Selbst der Bach Kerit ist am Vertrocknen. In der Schlucht liegt die große Höhle, deren schwarzer Zugang Gefahren androht und zugleich bergenden Schutz verspricht. Hier wird nun das Ereignis aus 1 Könige 17,2-7 dargestellt, Flucht und Zuflucht und Ausharren in der Wüste. Nicht nur ein beliebtes Motiv der Ikonographie - jedes Kind kann solche Geschichten deuten, richtig deuten! 

Die Höhle bedeutet auf den Ikonen bodenlose Gefahr, die Niederung des menschlichen Lebens, Schuld und Tod - ein archetypisches Bild aus der Traumwelt. Auf der Weihnachtsikone geschieht Menschwerdung Gottes in der Höhle - dort, wo die Welt und das Leben am dunkelsten ist. In der Kreuzigungsikone wächst das Kreuz aus der Höhle mit dem Totenkopf Adams, der durch die Sünde das Leid in die Welt gebracht hat. Auf der Osterikone bedeutet die Höhle (bzw. „Hölle“) das „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, den Sieg Christi über Sünde und Tod; er zerschmettert die Pforten der Unterwelt, Türangeln und Balken fliegen durch die Luft, Christus öffnet mit Kraft das Tor zum Leben (vgl. Tagesgebet am Ostersonntag). Auf der Pfingstikone ist es der unerlöste Kosmos, der im Dunkeln auf Geist und Leben wartet. 

 

Auf unserer Elija-Ikone bedeutet die Höhle Verfolgung und Gefahr, aber auch Verzweiflung, Überdruss, „Ich mag und ich kann nicht mehr“. Und doch bietet gerade diese Höhle auch Zuflucht und Schutz, deshalb nimmt Elija so lässig und entspannt den Platz vor der Höhle ein. Er hat sich auf den Wüstenboden gesetzt, die linke Hand fällt elegant und locker über das Knie, die andere liegt kraftvoll an seiner bärtigen Wange. Haltung und Gesicht des Propheten strahlen Ruhe, Kraft und Würde aus - aber auch Energie und Protest. Mürrisch blickt er hinauf zu den Bergen, von denen ein Rabe ihm Brot bringt, goldene Hoffnung für die Zukunft. Ausharren in der Wüste, Geduld, Hoffnung und Gottvertrauen!

 

 

Br. Bernhard Frei